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12 Mai

01.05.12  


Ich habe mich noch gestern Abend für dieses Schreibheft entschieden. Mehr sage ich dazu nicht.

Der Trailer zu "INS BLAUE" von meiner Tochter Joya Thome.
Und auf "filmstarts.de" (LINK) eine Kritik von Sascha Westphal zu "INS BLAUE".

02.05.12   So habe ich gestern mit dem Drehbuchschreiben angefangen. Da hatte ich noch keinen einzigen Satz geschrieben. Auch ein Feuer zu machen, braucht eine gewisse Zeit, wenn es nicht gleich wieder ausgehen soll. Ob wohl wieder eins im Film vorkommen wird???



Die Glyzienie, deren Blüten langsam aufgehen, und deren unglaublicher Duft mich beim Schreiben betören wird.

Auch die Fliederblüten im Garten öffnen sich.

Die jungen Blätter des Walnussbaums
03.05.12   Irgendwie ahnte ich gestern, was in der Nacht passieren wird und habe vor dem Gewitter mit Starkregen noch meinen ganzen Rasen gemäht.



Die Glyzinie heute, während es regnet, hat jetzt alle Blüten geöffnet. Ihre Nachbarin, die ein paar Jahre älter ist und die viel stärker riecht, wartet noch.

Die Tulpenpracht im Garten ist, nach dem Regen, schon Vergangenheit. Jetzt muss ich bis zur Blüte im nächsten Jahr warten.
Mein Garten zeigt mir in aller Deutlichkeit, womit ich mich bei meinem neuen Drehbuch "DAS MÄDCHEN VOM FLUSS" herumschlage, das Ineinandergehen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wenn mir das gelingt, wird auch dieser Film wie ein Stück Natur - und kein Kunstprodukt!
05.05.12   Nach allem, was in den letzten drei Tagen in Kairo passiert ist, kann ich nur sagen, dass es komplett verrückt von mir ist, da im nächsten Jahr einen Film drehen zu wollen. Aber ich bin ein hoffnungsloser Optimist. Was auch immer in Ägypten in der nächsten Zeit passieren wird, ich werde mit einem Mini-Team da hinfliegen können und notfalls mit einer Canon 7D dort auch drehen können. Ob mit einer RED-Epic, wie wir das in Rom bei "INS BLAUE" gemacht haben, weiß ich nicht. Ob der Zoll in Kairo mit einem Carnet ATA etwas anfangen kann, weiß ich nicht. Das war schon bei "PINK" in Orlando ziemlich kompliziert, weil die sich da mit dieser Art von Ein- und Ausfuhrbestätigung von technischem Gerät nicht wirklich auskannten.
Sollte ich endlich wieder einmal Förderung vom BKM kriegen, was ich sehr erhoffe, könnte ich vielleicht auch Unterstützung der deutschen Botschaft kriegen. Bei "BESCHREIBUNG EINER INSEL", 1978, hatte ich dieses Geld, aber da war die deutsche Botschaft bei den Franzosen, die meinem Filmteam die Einreise in die Neuen Hebriden (die damal ein Condominium von England und Frankreich waren) verweigert hatten, machtlos. Nur Cynthia Beatt und ich durften einreisen. Das Filmteam musste in Fidschi darauf warten, bis wir das Problem gelöst hatten. Ich bin jedenfalls auf alles gefasst.
06.05.12   Wenn hinter mir ein Mann mit einer Maschinenpistole stünde und sagte, dass er abdrücke, wenn ich nichts schreibe, würde das meine Situation auch nicht viel besser machen.
07.05.12  

Ich schreibe, unbeeinflusst vom Wetter und von spärlichen Reaktionen meiner Online-Leser, wie eine
Schreib-Maschine.
Ich vermische Alles: Träume, mir bekannte Menschen, was ich so lese und natürlich mich selbst in die sich immer weiter entwickelnde Geschichte.
Nur noch 3 Tage bis zum "richtigen" Drehbuchschreiben mit 7 Szenen pro Tag. Ich hoffe, die Drehbuchgötter sind dann auf meiner Seite. Und keine Menschen mit Maschinenpistolen.
Am generellen Konzept des Drehbuchs kann ich jetzt nicht mehr viel ändern. Ich habe lange genug nachgedacht, muss sogar gestehen, dass ich sowas wie eine Vision entwickelt habe (mehr als sonst bei meinen Drehbüchern). Jetzt wird Schreiben für mich wie Drehen. Keine Zeit für Nachdenken. Nur noch Hinschreiben, was auch immer mir dabei einfällt. Die ersten 15 oder 20 Szenen sind ohnehin skizziert. Meistens auch schon mit den Dialogen.
Wenn es schief geht, tendiere ich eher dazu, ein völlig neues Drehbuch im nächsten Jahr zu schreiben, als dieses Drehbuch zu verbessern. Im Gegensatz zu sämtlichen Drehbuch-Werkstätten und -Schulen, glaube ich nicht, dass das gut ist für einen Film. Denn mit jeder Verbesserung geht die ursprüngliche Energie immer mehr weg. Bei "INS BLAUE" habe ich das versucht und habe am letzten Tag der 2. Drehbuchschreibnotizen eingesehen, dass das nicht geht.

08.05.12   Mal scheint die Sonne, mal ist sie von Wolken verdeckt. So oder so muss ich weiterschreiben. Hier ein Gold-Ahorn, den ich vor 7 Jahren gepflanzt habe. So schön wie jetzt sieht er nur im Frühling aus.

Ich bin heute melanchlisch, aber freue mich auf den 11. Mai.
09.05.12  
Vor dem Schreiben fahre ich heute erstmal Fahrrad. Da ich allein bin beim Schreiben, habe ich mich gefilmt und das Foto aus dem Film herauskopiert. Auf die Idee bin ich vorher noch nie gekommen. Das Foto ist zwar nicht toll, aber zeigt meine inzwischen professionelle Radfahrausrüstung: Helm, Brille, Hose und Radfahrschuhe. Fahrradfahren hilft mir beim Denken, denn wenn ich schreibe, denke ich nicht, sondern schreibe.

Beim Zurückkommen bin ich überwältigt vom Duft der immer stärker blühenden Glyzinie und habe dann weitergemacht mit dem Notizenschreiben. Morgen mache ich das nochmal, dann ist damit endlich Schluss. Es gibt ja auch Leute, denen es Schwierigkeiten bereitet, meine Krakelschrift zu lesen. Außerdem behindert mich ständig mein Füllfederhalter, bei dem ständig die Tinte nicht mehr weiterfließt (obwohl er mal extrem teuer war, als ich ihn gekauft habe vor vielleicht 10 Jahren).
Danach schreibe ich mit einem Schreibprogramm direkt in den Computer und meine Finger sind nach dem Schreiben nicht mehr voller Tinte. Dann wird es allerdings richtig Ernst!
10.05.12  
Wenn ich mit dem Drehbuchschreiben fertig bin, werde ich Kirschen essen. Es sind bestimmt so viele, dass ich sie mir mit den Staren teilen muss.

Dieser Goldregenstrauch hat im letzten Jahr gar nicht geblüht.

Mein schönster uralter Farn.
11.05.12   Bei 32 Grad im Schatten habe ich heute die ersten sieben Szenen von "DAS MÄDCHEN VOM FLUSS" geschrieben. Wenn der Untertitel allzu pathetisch klingt, liegt das am von Tag zu Tag stärker werdenden Duft meiner Glyzinie. Nur die Götter wissen, was ich mit deren Duft alles einatme.

Außerdem hat auch einer meiner Rhododendron-Sträucher ein bisschen mit dem Blühen angefangen. Ich sehe das als ein positives Zeichen für meine Schreibarbeit. Ich schreibe ja nicht in der Wüste der Großstadt, sondern mitten in der Natur.
12.05.12  

Das Wetter ist extrem wechselhaft. In der Nacht hat es geregnet, und die Temperatur ist um fast 20 Grad gefallen. Gestern bin ich ich vor dem Schreiben 12 Kilometer Fahrrad gefahren. Heute nicht. Zu windig. Trotzdem muss ich weiter Drehbuch schreiben. Jeden Tag. Bis zum 28. Mai. Dann muss das Drehbuch, so wie immer, fertig sein.
Für den zweiten Teil dieser neuen Trilogie, habe ich vage Visionen. Zumindest aber ein Schreibheft, in das ich die Überlegungen der ersten zehn Tage dann schreiben kann. Vorsichtshalber habe ich es schon mal in einen feuerfesten Tresor eingeschlossen. Da wo auch die Festplatten mit den Originaldaten meiner letzten beiden digital gedrehten Filme sind. Den Tresor hat mir übrigens der Hausmeister der Deutschen Bank beim Drehen von "SYSTEM OHNE SCHATTEN" 1983 geschenkt.

13.05.12  
Seit vielen Jahren wartet dieser Fischreiher - immer wenn ich ein Drehbuch schreibe - am Dorfteich auf Beute. Keine Ahnung, ob es immer derselbe ist.
Beim Schreiben bin ich von meinem 7-Szenen-pro-Tag-Ritual abgekommen und mit 3 Szenen in die Zukunft geraten. Mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herum zu spielen ist nicht einfach.
14.05.12  
Diese Kastanie ist inzwischen 24 Jahre alt. An diese Stelle gepflanzt habe ich sie fünf oder sechs Jahre später.

Akelei.

Eine Pfingstrosenknospe. An Pfingsten bin ich mit meinem Drehbuch zu "DAS MÄDCHEN VOM FLUSS" fertig. Keine Ahnung, was die Ameisen da wollen. Je älter ich werde und je mehr ich weiß, desto mehr merke ich, wie wenig ich eigentlich weiß. Das einzige, wovon ich wirklich was verstehe, ist "Kino". Und da kriege ich auch manchmal so meine Zweifel.
Bevor ich im letzten Jahr "INS BLAUE" gedreht habe, habe ich mir zum ersten Mal nach 50 Jahren wieder "Letztes Jahr in Marienbad" von Alain Resnais angeschaut. Das war der Film, den ich damals in Paris dreimal hintereinander angeschaut habe und der mich dazu gebracht hat, Filme machen zu wollen. Was ich damals gesehen hatte, war nicht mehr da. Ob das an mir liegt oder am Film, weiß ich nicht. Jedenfalls schaue ich in mir nicht noch mal an.
15.05.12   Meine Tochter Joya mailt mir heute dieses Foto…

…und einen Link, der es erklärt.
16.05.12   So wie das Wetter hier auf dem Bauernhof beim Drehbuchschreiben, verändert sich auch die Welt da draußen, die ich allerdings nur begrenzt wahrnehmen kann, weil alle meine Sinne auf das Schreiben fokussiert sind. Auch die Graffiti am Tahrirplatz in Kairo, die in meinem Drehbuch eine Rolle spielen, haben sich inzwischen wieder verändert. Hier das neueste Graffito:
18.05.12  

Mein Leben als kontinuierlich schreibender Drehbuchautor ist wirklich nicht einfach, da ich vor dem Schreiben (was oft schön ist) und nach dem Schreiben (wo ich manches Geschriebene in Frage stelle), immer wieder mit der Außenwelt konfrontiert bin. Die Welt ist kein Paradies und Schreiben ist noch viel weniger ein Paradies. In meiner Erinnerung war es immer schöner.

19.05.12  
Mein kleiner Weihnachtsbaum ist nicht angewachsen, sondern vertrocknet. Jetzt verbrennt er.

Ich habe vor zwei Wochen drei Tomatensträucher gepflanzt - in der Hoffnung, dass die Eisheiligen meinen Garten verschonen. Alle drei tragen schon jetzt Tomaten, denn ich gieße sie täglich.
20.05.12  

Mein Gott, die Zeit rast an mir vorbei. Nach dem Drehbuchschreiben heute bin ich mal wieder 12 Kilometer Fahrrad gefahren. Endlich wieder in kurzen Hosen und Polohemd - so wie beim Drehen letztes Jahr in Italien. Dann habe ich diese beiden Fotos durch meine Radfahrbrille gemacht. Meine Tochter Joya hat das vor 12 Jahren, als ich meinen ersten digitalen Fotoapparat gekauft hatte, sofort als Erstes ausprobiert. Sie war schon damals sehr innovativ.

Der Innenhof…

…und der Garten. Etwas herangezoomt, damit man den Brillenrand nicht mehr sieht.
Jetzt, wenn ich die Bilder anschaue, überlege ich, ob ich nicht doch Teile von "DAS MÄDCHEN VOM FLUSS" so drehen sollte. Darüber wird es bestimmt viele Diskussionen zwischen mir und meiner Kamerafrau geben. Sowas lässt sich mit Sicherheit auch beim Colorgrading herstellen. Ich denke jedoch, wenn man das so unprofessionell macht, wie ich jetzt, ist das sehr viel schöner.

Mein Rhododendron. Ohne Radfahrbrille.

21.05.12   Die beiden kleinen Filme, die ich im März in Kairo gedreht habe, sind heute - zwei Tage vor der Wahl eines neuen ägyptischen Präidenten - nicht mehr da und somit historische Dokumente. So sieht die Mauer mit den Graffiti an der Mohammed Mahmut Street heute aus.



Ich mache noch mal einen Link auf mein erstes, extrem improvisiertes Video.

22.05.12   Heute morgen bin ich ganz früh in die Stadt gefahren, weil mein Auto endlich Sommerreifen kriegen muss, denn das Drehbuchschreiben geht dem Ende entgegen. Auf dem Dorfteich entdecke ich, während ich die vier Reifen in das Auto einlade, zwei Schwäne.



Was hat das zu bedeuten? Ich habe hier noch nie Schwäne gesehen. Muss in meinem Drehbuch zu guter Letzt jemand sterben? Oder soll ich noch eine Szene schreiben, wo Schwäne vorkommen. Sowohl in "DIE SONNENGÖTTIN" wie in "JUST MARRIED" gibt es schon solche Szenen mit Schwänen. Das war jedes Mal Zufall. Aber von solchen Zufällen leben ja auch meine Filme, weil ich dafür offen bin.
Ich lese jeden Morgen die Kritiken über die Filme, die jetzt in Cannes laufen. Am Montag lief da der neue Film von Hong Sang-soo "In Another Country". Ich bin erschüttert über das, was die meisten Kritiker schreiben. Am positivsten war da noch die Kritik in "Variety". Das was die Regisseure der "Nouvelle Vague", als sie noch Kritiker waren, geschrieben haben, gilt für mich noch immer. Ein guter Regisseur kann keine schlechten Filme machen. Das nannten sie damals "politique des auteurs". Ein Kritiker hat sogar geschrieben, Hong Sang-soo sei künstlerisch und mit seiner Fantasie am Ende. Das hat in Deutschland auch mal ein Kritiker zu "SIEBEN FRAUEN" geschrieben. Ich vergesse nichts. Danach habe ich immerhin 15 neue Filme gemacht.
23.05.12  

Das Drehbuch zu "DAS MÄDCHEN VOM FLUSS" ist fertig. Darüber freue mich! Es hat nur 102 Szenen. Der Film sollte also nicht länger werden als 85 bis 90 Minuten. Ich wollte noch mehr Szenen schreiben, aber irgendwas in meinem Kopf oder auch Bauch sagte, hier ist Schluss. Du hast alles, was du erzählen willst, erzählt. Ob dann auch im Film alles so wird, dass ich selbst davon begeistert bin, hängt von vielen Dingen ab. Vor allem von den vier Hauptdarstellern: Fatima, Friedrich, Ahmed und Heinrich. Selbstverständlich ein bisschen auch von der Kamera. An den Schnitt und die Musik will ich noch gar nicht denken. Und natürlich auch von dem Geld, dass ich hoffentlich dafür kriege.
Hier hat es heute wieder 30 Grad und es ist drückend schwül. Zur Feier des Tages bin ich noch mal 20 Kilometer Fahrrad gefahren.

Von gestern auf heute sind jetzt auch diese Pflanzen in meinem Gartenteich aufgeblüht. Ich glaube, es sind Wasserlilien. Vor ein paar Jahren habe ich mal geschrieben, es sei blühendes Schilf und da hat mich dann Jochen Brunow per email korrigiert. Hoffentlich habe ich jetzt das Richtige geschrieben.

Was für ein Tag heute! Am Abend Sturm und Gewitter und dann dieser doppelte Regenbogen über dem Dorfteich. Wenn das kein gutes Zeichen für "DAS MÄDCHEN VOM FLUSS" ist!
Zehn Minuten später klingelt es und sechsundfünfzig 35mm-Filmkopien aus meinen letzten zehn Jahren werden aus dem Berliner Kopienlager angeliefert.



Jetzt lagern sie bei mir provisorisch im ehemaligen Pferdestall, müssen später in Kartons verpackt und in meinen Keller gebracht werden. Jede Kopie hat einen Materialwert von tausend Euro. Jetzt brauche ich nur noch Filmmuseen auf der ganzen Welt, die sie kaufen wollen.

24.05.12   Die Großstadt empfängt mich mit Stau und Baustellen. Danach bringe ich und hole Dinge im Tonstudio und im Postproduktionsstudio und sage, dass erst im nächsten Jahr (vielleicht) mit einem neuen Film von mir zu rechnen ist. Man sagt mir, dass ich fröhlich aussehe. Ich antworte: kein Wunder, ich habe gerade ein neues Drehbuch geschrieben.
Im Juli laufen zwei Filme von mir im Fernsehen. Am 3.07. um 22.15 Uhr "BERLIN CHAMISSOPLATZ" und am 25.07. um 23.00 Uhr "DU HAST GESAGT, DASS DU MICH LIEBST". Beide Filme auf rbb.
25.05.12  
Mein Wohnzimmer, Casting-Büro und Schneideraum in der Berliner Abendsonne. Ich fahre auf dem Tempelhofer Flugplatz Fahrrad (der heute fast leer ist) und verfolge den ganzen Tag schon die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen in Ägypten. Auf Twitter schreibt einer: "To choose between #Shafik or #Morsy is like being asked do you want to commit suicide by being set on fire or jump in a shark tank". Es scheint im Moment also nicht gut auszugehen für die Revolutionäre auf dem Tahrirplatz.
26.05.12  

Den ganzen Morgen habe ich mit der Lösung von Computerproblemen bei einer Freundin verbracht. Dann finde ich diesen Artikel im englischen "Guardian" (LINK), der mir etwas Hoffnung macht, dass in Ägypten vielleicht doch noch alles besser wird.

27.05.12   Nach allen Texten, die ich über das Cannes Filmfestival gelesen habe, bin ich am meisten gespannt auf Leos Carax "Holy Motors", am wenigsten auf Michael Hanekes "L'amour" (davon habe ich ein paar Szenen auf Arte gesehen und eigentlich schon für mich entschieden, dass ich mir das Anschauen des Films ersparen kann).
28.05.12  


Ich frühstücke heute morgen mit Serpil Turhan. Wir haben uns seit der Team-Premiere von "INS BLAUE" nicht mehr gesehen. Sie hat gestern das fertige Drehbuch von "DAS MÄDCHEN VOM FLUSS" ausgedruckt gelesen und alles, was sie darüber sagt, zeigt mir, dass aus dem Drehbuch genau das geworden ist, was ich beim Schreiben erreichen wollte. Sie wird auf jeden Fall auch wieder meine Regieassistentin sein und ist auch bereit, die kleine Rolle zu spielen, die ich am Ende des Drehbuchs für sie hineingeschrieben habe. Wir besprechen bereits Details zur Besetzung und zum Filmteam - so als würde ich den Film noch in diesem Jahr drehen können.
Über all dem vergesse ich fast den Inhalt einer email, in der ich erfahre, dass mein ältester und bester Freund in Berlin im Sterben liegt.
Danach bin ich sofort wieder zum Bauernhof gefahren, denn hier kann ich besser damit umgehen. Hier sehe ich, wie alles wächst und gedeiht. Der Bauernhof war und ist mein Paradies, und da sind die Gedanken an den Tod weniger schmerzlich. Die Titelgeschichte im neuen "Spiegel" hatte ich - es kommt im Leben ja immer alles zusammen - auch heute morgen gelesen.

29.05.12   Ich habe damit angefangen, das Wasser in meinem Gartenteich auszutauschen. Ich werde ihn nicht so sauber machen wie mein Sohn Nicolai und seine Freundin Ina. Die haben das in den letzten beiden Jahren gemacht.

Frösche schauen zu, wie der Wasserspiegel so langsam sinkt.

Ich hoffe, dass meine Seerosen den Wasserwechsel überleben.

Die Pfingstrosen blühen in diesem Jahr termingerecht.

Einer meiner Kirschbäume. Wenn ich in den Garten komme, fliegen schon jetzt ganze Heerschaaren von Staren weg.
Während mein Teich immer leerer wird, bekomme ich neue Fotos vom Tahrirplatz. Über das hier musste ich ganz laut lachen. Die Revolutionäre denken nicht daran aufzugeben. Jetzt sieht man nicht nur Mubarak und Tantawi, sondern dahinter Amr Mousa und Ahmed Shafiq, einer der beiden Gewinner der Wahl. Vor einer Woche noch war alles weiß überstrichen.



So sah das Graffito am 1. März aus, als ich selbst zum ersten Mal nach der Revolution am Tahrirplatz war.

Mein Teich - nach 6 Stunden leerpumpen.
30.05.12   Heute wartet viel harte Arbeit auf mich. Eigentlich hatte ich vor, das meiste Laub im Teich zu lassen und nur das Wasser auszutauschen, aber wenn ich das sehe…

…werde ich wahrscheinlich doch das ganze Laub rausholen, bevor ich frisches Wasser einlaufen lasse. Ich schätze mal, dass es gut 20 Schubkarrenladungen sind.

Ich habe es tatsächlich geschafft. Das ganze Laub ist weg. Um meinen Sohn Nicolai glücklich zu machen, habe ich alle Teichmolche und ein paar Frösche in den roten Plastikeimer getan. Ich denke die meisten Frösche sind heute Nacht aus dem Teich geflüchtet. Beim Abkehren der Folienwände mit einem Besen allerdings ist mir dasselbe wie vor zwei Jahren passiert. Ich kam zunächst nicht mehr raus, weil die Folie so glitschig war. Ich glaube, ich habe gut zwanzig Minuten gebraucht, mit komplizierten Gewichtsverlagerungen und auf allen Vieren bin ich dann doch wieder rausgekommen. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich das gefilmt. Es wäre bestimmt lustig geworden.

Nach getaner Arbeit ein Selbstauslöserfoto zur Erinnerung. Beide Knie haben Schürfwunden, auch ein bisschen Blut ist geflossen. Aber ich habe es tatsächlich alleine - so wie früher - geschafft. Darauf bin ich richtig stolz. So als hätte ich in Cannes die "goldene Palme" gekriegt. Ohne das Fahrradfahren seit August 2011 hätte ich das nie im Leben hingekriegt. Zumindest körperlich bin ich in der Lage noch ein paar weitere Filme zu drehen.
31.05.12   Mein Gartenteich hat jetzt wieder 70.000 Liter frisches Wasser. Wenn die Schafskälte vorbei ist, kann ich wieder darin schwimmen. Ich beginne jetzt die Arbeit am Presseheft von "INS BLAUE".
     

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